Waisenhaus Stiftung d. ö. R. — Ein Interview

Interview

Interviewpartner: Michael Gerhard Müller, Direktor

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Konkret: Was macht Ihre Stiftung?

Die Ambulante Förderung unterstützt inzwischen über 1.000 Schützlinge durch sozialpädagogische Beratung sowie finanzielle Beihilfen bei der Herstellung von Chancengleichheit, das Patenschaftsprogramm hilft den betreuten Kindern bei der gesellschaftlichen Integration. Die Therapeutische Fachstelle hält psychosoziale und therapeutische Angebote bereit. Die Stiftung betreibt darüber hinaus zwei Kinder- und Jugendheime, eine Therapeutische Wohngemeinschaft sowie ein Mutter-Kind-Haus.

Rückblick: Warum wurde die Stiftung gegründet?

Auf Betreiben des Pfarrers Philipp Jacob Spener eröffnete der Rat der Stadt Frankfurt mit finanzieller Hilfe der Frankfurter Bürger das Armen- Waisen- und Arbeitshaus am Klapperfeld, zuerst, um zur Herbstmesse 1679 dem „schändlichen Gassenbettel“ Einhalt zu gebieten. 1807 erließ Großherzog Carl Theodor von Dalberg die erste allgemeine Stiftungsordnung, wodurch schließlich das dem noch heute geltenden Zweck entsprechende Waisenhaus entstand.

Ohne meine/unsere Stiftung...

würden wesentliche Unterstützungsangebote und konkrete Hilfen für vornehmlich Kinder alleinerziehender Mütter und Väter fehlen. Neben den staatlichen Hilfesystemen stärken wir die Entwicklung und das Wohlergehen von über 1100 Familien in Frankfurt. Die Arbeit unserer Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter geht über die vorhandenen Hilfesysteme hinaus und kann dort Lücken füllen, wo es sonst keine regelhaften Angebote gibt.

Für meine/unsere Stiftung wünsche ich mir...

dass wir uns insgesamt noch stärker in Frankfurt mit anderen Trägern vernetzen, um die Wirksamkeit unserer Hilfen zu erhöhen. Zudem bin ich überzeugt, dass der Stiftungszweck im Hinblick auf die sich ändernden Erfordernisse immer wieder neu ausgeleuchtet werden sollte.

Stiftungen machen die Gesellschaft...

gerechter und schaffen Benachteiligten bessere Chancen. Stiftungen vertreten auch ihre eigenen Interessen, sind meinungsbildend und machen sehr erfolgreiche Lobbyarbeit.

Persönliches: Was war Ihr bisher bewegendstes Erlebnis in Ihrer (Arbeit in der) Stiftung?

Von einem Bekannten habe ich eine Geschichte von einem jungen Mann gehört, der inzwischen erfolgreich ein kleines Unternehmen gegründet hat. Dieser junge Mann wurde jahrelang in einer unserer Einrichtungen therapeutisch begleitet und zur selbständigen Gestaltung seines Lebens und Alltags hingeführt. Daran zeigt sich, dass sich unsere Arbeit und unsere Angebote langfristig nachhaltig auswirken. Das finde ich wunderbar.

Ausblick: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Ich möchte die Stiftung und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Netzwerkpartner noch besser kennenlernen. Es steht die Aufgabe an, die Angebote im Bereich des Stiftungszwecks weiter zu entwickeln. Hierzu steht ein intensiver stiftungsinterner Diskurs an, auf den ich sehr gespannt bin. Zudem werden wir für ein Bauprojekt die ersten Planungsschritte gehen. Ich bin überzeugt davon, dass der Terminkalender voll sein wird.