Stiftung Lesen — Ein Interview

Interview

Interviewpartner: Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer

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Konkret: Was macht Ihre Stiftung?

Wir wollen alle Kinder und Jugendlichen für das Lesen begeistern. Das fängt in der Familie an. Am Bundesweiten Vorlesetag setzen wir jedes Jahr gemeinsam mit über 100.000 Menschen ein Zeichen für das Vorlesen. Es geht in der Schule weiter. 800.000 Erstklässler bekommen bei Lesestart ein Buch überreicht; 1 Million Viert- und Fünftklässler werden zum Welttag des Buches beschenkt. Außerdem statten wir Kitas aus und richten Leseclubs ein, bringen Lesestoff in Burger-Restaurants und Supermarktregale.

Rückblick: Warum wurde die Stiftung gegründet?

Ziel war und ist die Förderung des Lesens. Das war nie Selbstzweck: Lesen ist die Grundlage von Bildung und Medienkompetenz, im Goldenen Zeitalter der TV-Unterhaltung bei Gründung der Stiftung wie in der heutigen digitalen Ära. Von Anfang an ging es darum, gesellschaftliche Bündnisse zu schmieden, auch jenseits der klassischen Buchkultur. Stärker als damals verfolgt die Stiftung heute einen präventiven Ansatz und richtet sich vor allem an Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte.

Ohne meine/unsere Stiftung...

hätten viele Kinder schlechtere Chancen.

Für meine/unsere Stiftung wünsche ich mir...

dass viele Leser sie irgendwann überflüssig machen.

Stiftungen machen die Gesellschaft...

auf engagierte und kreative Weise menschlicher.

Persönliches: Was war Ihr bisher bewegendstes Erlebnis in Ihrer (Arbeit in der) Stiftung?

Die Flüchtlingskrise hat 2015 viele Akteure überrascht, auch wenn Experten sie lange vorhergesehen hatten. Trotz Versäumnissen hat sich Deutschland der Situation gestellt. Auch die Stiftung Lesen konnte mit ihren Partnern schnell Angebote auf den Weg bringen. Bis heute ermöglicht das Bundesbildungsministerium Lesestart für Flüchtlingskinder. Von 250 Erstaufnahmeeinrichtungen konnte ein Drittel wieder geschlossen werden. Aber das Programm geht weiter, auch wenn nicht mehr täglich berichtet wird.

Ausblick: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Im kommenden Jahr feiern wir 30 Jahre Stiftung Lesen. Mit kreativen Aktionen, engagierten Lesemachern und prominenten Lesebotschaftern wollen wir alle Eltern überzeugen, unsere Faustregel zu befolgen: 15 Minuten Vorlesen, jedem Kind, jeden Tag. Das ist die einfachste und im Wortsinne alltäglichste Bildungsinvestition, die jeder tätigen kann. „15 Minuten Vorlesen“ muss so selbstverständlich werden wie „5 am Tag“ für die Ernährung oder „10.000 Schritte“ zur Bewegung.