Stiftung für Konkrete Kunst und Design — Ein Interview

Interviewpartner: Marie-Luise Heske, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sammlungsverwalterin

Themenfelder der Stiftung: Kunst und Kultur

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Konkret: Was macht Ihre Stiftung?

Wir widmen uns  der Aufgabe, Vor- und Nachlässe bedeutender Konkreter Künstler und Designer zu sichern, künstlerische und gestalterische Ideen zu bewahren und die Werke im Bewusstsein der Öffentlichkeit lebendig zu halten. In ihrer Ausrichtung ist die Stiftung für Konkrete Kunst und Design in Deutschland einzigartig.

Rückblick: Warum wurde die Stiftung gegründet?

Ehe die systematische Aufarbeitung von Künstlernachlässen in der Öffentlichkeit Berücksichtigung fand, wurde die Stiftung für Konkrete Kunst und Design mit dem Ziel gegründet, Künstlern und Erben fachlich wie personell zur Seite zu stehen. Künstlernachlässe stellen eine Herausforderung dar, die von Einzelpersonen kaum bewältigt werden kann. Mit ihrer Gründung im Jahr 2007 wurde auf einen großen Bedarf reagiert, bei dem sich zahlreiche Künstler ohne Erben oder mit Erben ohne Interesse vorfanden.

Ohne meine/unsere Stiftung...

... würden deutlich geschmälert relevante kunsthistorische Positionen und Werkkonvolute der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen oder gingen schlimmstenfalls verloren.

Für meine/unsere Stiftung wünsche ich mir...

... dass wir auch künftig in einem regen und fruchtbaren Austausch mit unseren Stiftern und Stiftungskünstlern sowie mit unseren Unterstützern und Kooperationspartnern stehen werden.

Stiftungen machen die Gesellschaft...

… vielfältig, denn mit ihrem Engagement tragen sie zur Bereicherung in eine Vielfalt von Projekten für die Gemeinschaft bei.

Persönliches: Was war Ihr bisher bewegendstes Erlebnis in Ihrer (Arbeit in der) Stiftung?

Das lässt sich schwer sagen. Wenn wir uns mit Künstlernachlässen beschäftigen, erkunden wir nicht nur das künstlerische Lebenswerk, sondern erfahren auch viel vom Leben der Künstlerin oder des Künstlers. Dann breitet sich schon einmal die gesamte Lebensgeschichte vor einem aus – man sichtet Fotos und Briefe und liest von Wünschen und Gedanken längst vergangener Tage. Das ist jedes Mal ein bewegender Moment.

Ausblick: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Zwei Projekte liegen uns besonders am Herzen. Da wären zu nennen, die Erfassung und Sicherung des Nachlasses von Edgar Gutbub (1940 – 2017), dessen Werk in der öffentlichen Wahrnehmung sicher mehr Berücksichtigung verdient hat. Zum anderen widmen wir uns mit einer umfangreichen Ausstellung dem Werk von Traudl Brunnquell (1919 – 2010), die mit ihren Lampendesigns eine italienische Modernität in die Wohnwelten der BRD der 1960er und 70er brachte. Obendrein war sie eine der wenigen Frauen im Fach.