Stiftung Erneuerbare Freiheit — Ein Interview

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Interviewpartner: Martin Modlinger, Vorstand

Themenfelder der Stiftung: Bildung, Gesellschaft und Soziales, Internationales, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Forschung

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Konkret: Was macht Ihre Stiftung?

Die Stiftung Erneuerbare Freiheit setzt sich für individuelle und kollektive Freiheitsrechte ein, insbesondere im digitalen Raum. Dabei arbeiten wir direkt mit Aktivisten und fördern Technologien, die diese Rechte und Freiheiten garantieren. Diese Technologien kann man dabei nicht einfach kaufen, sie entstehen vielmehr durch das Engagement vieler ehrenamtlicher EntwicklerInnen. Genau diese Community und die zugehörigen Aktivisten und investigativen Journalisten unterstützen wir.

Rückblick: Warum wurde die Stiftung gegründet?

Weil unsere Rechte und Freiheiten nicht ein für alle mal gewonnen sind, sondern beständig verteidigt werden müssen. Gerade im digitalen Raum werden grundlegende Rechte ständig und systematisch verletzt. Niemand würde den Einbruch in die eigene Wohnung dulden, das Öffnen von Briefen auf dem Postweg, oder sich verbieten lassen, sich ein eigenes Bild von der Welt zu machen. Genau das aber passiert im digitalen Raum, wenn abgehört oder zensiert wird. Unsere Rechte gelten unabhängig vom Medium!

Ohne meine/unsere Stiftung...

gäbe es wenig Unterstützung für die Community, die freie, offene und sichere Technologien für alle entwickelt. Es sind Hunderte, Tausende von Freiwilligen, von ehrenamtlich Tätigen, die diese Technologien für uns alle entwerfen und uns frei zur Verfügung stellen. Auch gäbe es einen Brückenbauer weniger, der Technologie nicht als Selbstzweck sieht, sondern als Mittel für systemischen Wandel hin zu einer gerechteren Welt.

Für meine/unsere Stiftung wünsche ich mir...

Partner aus den verschiedensten Bereichen. Nur wenn wir zusammenarbeiten, unser Wissen teilen und uns gegenseitig unterstützen, erreichen wir gemeinsam unsere Ziele.

Stiftungen machen die Gesellschaft...

stärker. Sie sind Teil der Zivilgesellschaft und können langfristig und ohne erzwungene finanzielle Profitorientierung das Gute und Wichtige fördern. Sie können das Neue vorantreiben, wo es der Gesellschaft hilft, und widerständig sein, wo es geboten ist. Sie dürfen nur nicht vergessen, dass sie Helfer der Zivilgesellschaft sind, nicht deren Herrscher. Dafür müssen sie demokratische und verantwortliche Praxis nicht nur unterstützen, sondern auch selbst leben.

Persönliches: Was war Ihr bisher bewegendstes Erlebnis in Ihrer (Arbeit in der) Stiftung?

Aktivisten wie das Team von Syrian Archive bei der Arbeit zu sehen. Sie sammeln und verifizieren Dokumente zu Menschenrechtsverletzungen aller Konfliktparteien in Syrien. Kurzfristig bieten sie so verlässliche Informationen zum Geschehen im Kriegsgebiet, langfristig wird dies der unabhängigen rechtlichen und gesellschaftlichen Aufarbeitung des Konflikts in Syrien dienen. Niemand möchte diese Bilder sehen. Aber vom Wegsehen hört das Unrecht nicht auf.

Ausblick: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Wir starten einen Whistleblowing-Fund, der weltweit lokale Unterstützerorganisationen für Whistleblower aufbauen wird. Diese werden finanziell und mit technischem know-how unterstützt und miteinander vernetzt. Whistleblower, die auf Missstände oder gar Rechtsbrüche in Unternehmen oder Staaten hinweisen, haben größte Bedeutung für eine funktionierende Demokratie. Denn wie sollen Menschen mündig politische Entscheidungen treffen, wenn sie von Missständen und Rechtsbrüchen nie erfahren?