Märchen-Stiftung Walter Kahn — Ein Interview

Interviewpartner: Roland Kahn, Vorstandsvorsitzender und zuständig für Finanzen, Recht & Organisation, Vertreter der Stifterfamilie

Themenfelder der Stiftung: Bildung, Internationales, Wissenschaft und Forschung

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Konkret: Was macht Ihre Stiftung?

Die Ziele der Märchen-Stiftung Walter Kahn sind, "die Erforschung und Erhaltung des überlieferten europäischen Märchen- und Sagengutes durch die Arbeit der wissenschaftlichen Disziplinen wie Volkskunde/Ethnologie, Literaturwissenschaft, Erzählforschung, Pädagogik/Didaktik, Psychologie und Theologie zu unterstützen und in die Praxis umzusetzen sowie das Märchen- und Sagengut in der Öffentlichkeit zu pflegen und zu fördern".

Rückblick: Warum wurde die Stiftung gegründet?

Dem Stifter Walter Kahn, der schon in jungen Jahren durch Erzählungen seines Vaters die Liebe zum Märchen entdeckte, war früh klar, wenn seine finanziellen Mittel es irgendwann erlauben würden, wollte er damit zum Erhalt des "Märchen- und Sagengutes" beitragen. Letztendlicher Auslöser war der Kontakt zu Lutz Röhrich, einem der bedeutendsten Märchenforscher seiner Zeit und die für ihn schwierige Diskussion um die Märchen in den siebziger Jahren, wo ihm doch die Märchen so viel gegeben hatten.

Ohne meine/unsere Stiftung...

würde vor allem die wissenschaftliche Betrachtung in Zeiten rückläufiger Berücksichtigung an den Universitäten noch geringer sein. Durch Wegfall unserer finanziellen Unterstützung könnten verschiedene Projekte zum Erhalt und zur Pflege des „Märchengutes“ nicht stattfinden. Der Märchenspiegel und unsere jährliche Fachtagung tragen zum Verständnis und Umgang mit dem Märchen bei. Es entfielen zudem unsere jährlichen Preise für renommierte Märchenforscher und den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Für meine/unsere Stiftung wünsche ich mir...

, dass das Interesse am Märchen- und Sagengut in der Bevölkerung erhalten bleibt bzw. wächst, denn als Träger von vielerlei Lebenserfahrung und Weisheiten hilft vielen Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen ein gut erzähltes Märchen. Für die Tätigkeit der Stiftung wünschen wir uns ein Mehr an Vermögen aus Zustiftungen und Spenden, um mit den Erträgnissen, die seit 10 Jahren oberhalb von 5 % pro Jahr betragen, noch intensiver fördern zu können.

Stiftungen machen die Gesellschaft...

auf Themen aufmerksam, die es aus vielerlei Hinsicht zu fördern gilt. In unserem Fall, um den Erhalt und die Weitergabe des "Märchen- und Sagengutes" zu sichern. Wir möchten die Gesellschaft motivieren, sich der Stiftung und dem Volksmärchen neugierig zuzuwenden, denn, wie sagte einst Max Lüthi "Dem europäischen Volksmärchen wohnt eine eigenartige Wirkungskraft inne. Es übt seine Macht nicht nur an den Kindern jeder neuen Generation. Auch der Erwachsene erfährt wieder und wieder seinen Zauber."

Persönliches: Was war Ihr bisher bewegendstes Erlebnis in Ihrer (Arbeit in der) Stiftung?

Das besondere an der Arbeit ist es, anderen eine Freude zu machen bzw. sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Motivierend ist das positive Feedback, das uns immer wieder nach unseren Märchentagen erreicht und die Dankbarkeit der Preisträger, die wir in den vergangenen Jahrzehnten für ihre Leistungen auf dem Gebiet der "Märchen- und Erzählforschung" auszeichnen durften.
Für den Stifter selbst war die Auszeichnung mit dem "Großen Preis der Akademie" 1998 eine Würdigung seiner Arbeit.

Ausblick: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Auch 2019 möchten wir unsere Tätigkeiten ganz im Sinne des Stiftungszweckes erfolgreich fortführen. Hierzu zählt die finanzielle Unterstützung Dritter bei deren Projekten, der Erzähleraus-& -fortbildung, unsere „Märchentage“ 2019 mit Thema „Wetter im Märchen“, die Vergabe des „Europäischen Märchenpreises" und der Ehrung des wissenschaftlichen Nachwuchses mit dem „Lutz-Röhrich-Preis“ und dem "Gesonderten Förderpreis".
Ferner möchten wir einige für uns neue Projekte auf den Weg bringen.