Heinz Sielmann Stiftung — Ein Interview

Vorstand Michael Beier auf dem Gut Herbigshagen, Hauptsitz der Heinz Sielmann Stiftung

Interviewpartner: Michael Beier, Geschäftsführender Vorstand

Themenfelder der Stiftung: Bildung, Internationales, Umwelt, Wissenschaft und Forschung

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Konkret: Was macht Ihre Stiftung?

Im Zentrum unserer Arbeit steht die Liebe zur Natur – zu Tier und Pflanze ebenso wie zum Menschen. Wir wollen die Natur schützen, erhalten und ihre Schönheit allen Menschen zugänglich machen. Besonders Kindern und Jugendlichen soll das Naturerlebnis mit der Umweltbildung in vielen Facetten ermöglicht werden. Weitere Schwerpunkte unserer Arbeit sind der Erhalt der Artenvielfalt, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den Naturschutz und die Bewahrung des filmischen Erbes von Heinz Sielmann.

Rückblick: Warum wurde die Stiftung gegründet?

1994 rief Heinz Sielmann gemeinsam mit seiner Frau Inge die Stiftung ins Leben. Der erfolgreiche Naturfilmer hatte sich im Laufe seiner Karriere vom leidenschaftlichen Naturliebhaber zum engagierten Naturschützer entwickelt. Denn er hatte bei seinen jahrzehntelangen Dreharbeiten auf allen Kontinenten beobachten können, wieviel Lebensformen und Arten in kurzer Zeit vernichtet wurden, die sich über Jahrmillionen entwickelt hatten.

Ohne meine/unsere Stiftung...

gäbe es das Grüne Band und viele weitere Biotopverbünde und Naturlandschaften der Heinz Sielmann Stiftung nicht, hätten seltene Arten wie das Auerhuhn, die Sumpfschildkröte, die Wisente und Przewalski-Pferde, die Wildbienen und Schmetterlinge oder auch der Luchs zu wenig dringend benötigten Lebensraum. Die Schönheit und Vielfalt der Natur würde vielen Kindern und Jugendlichen entgehen, das filmische Werk von Heinz Sielmann und seine Pionierleistung für den Naturfilm womöglich vergessen.

Für meine/unsere Stiftung wünsche ich mir...

viele Menschen, die weiterhin das Lebenswerk von Heinz und Inge Sielmann unterstützen und fortführen. Um den dramatischen Artenschwund zu verlangsamen oder besser noch: zu stoppen, wünsche ich mir ein breites Bündnis von öffentlich-rechtlichen Institutionen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Stiftungen machen die Gesellschaft...

bunter und vielfältiger. Sie geben wichtige Impulse, bringen neue Ideen und Konzepte ein und dienen einer Vielzahl von Zwecken, die von Staat und Wirtschaft nicht abgedeckt werden. Stiftungen sind wie andere gemeinnützige Organisationen Ausdruck und Verkörperung der bürgerlichen Freiheit im Sinne von aktiver Mitgestaltung der Gesellschaft.

Persönliches: Was war Ihr bisher bewegendstes Erlebnis in Ihrer (Arbeit in der) Stiftung?

Wenige Tage nach Beginn meiner Tätigkeit als Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung habe ich im September 2012 den Vertrag zur naturschutzfachlichen Betreuung von 4000 Hektar in der Kyritz-Ruppiner Heide unterschrieben. Nahezu 60 Jahre war die als „Bombodrom“ bekannte Fläche militärisches Übungsgelände, erst der sowjetischen Truppen, dann der Bundeswehr. Als ich vom „Sielmann-Hügel“ über die bis zum Horizont blühende Heide schaute, wurde mir bewusst, dass mit dieser Unterschrift die Fläche nun endgültig der militärischen Nutzung entzogen und für Naturerlebnis und Artenschutz gesichert ist. Das war ein überwältigender Augenblick.

Ausblick: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Die Heinz Sielmann Stiftung will sich als wichtiger Partner des BMZ bei der Wiederaufforstung in Afrika im Rahmen des Programms „Marshallplan mit Afrika“ beteiligen. Außerdem stehen die Themen Nachhaltigkeit und Qualitätsmanagement weiterhin ganz oben auf der Agenda. Wir planen, in der Stiftung das europäische Umweltmanagementsystem EMAS einzuführen und die Digitalisierung in der Stiftungsarbeit fortzuschreiben, uns entsprechend der 17 UN-Klimaschutzziele erfolgreich zu positionieren.